Ist es legitim, dass ein Zeitarbeiter zu Beginn weniger Geld bekommt als ein Festangestellter?

Der Gleiche Lohn für dieselbe Arbeit? Viele empfinden dies als hochgradig ungerecht. Versetzen Sie sich in die Lage eines Arbeiters, der mehr als 15 Jahre in einer gleichen Firma einen guten Job macht und plötzlich kommt ein neuer Kollege von einer Zeitarbeitsfirma und verdient nunmehr das Gleiche wie Sie?

Beispiel:
Ein junger Mann verdient als Leiharbeiter in einer Logistikfirma ca. 10,00 € die Stunde. Ein Festangestellter verdient für die gleiche Arbeit 1.000,00 € brutto mehr. Dies finden sehr viele sehr ungerecht. Dies ist auch sehr einleuchtend.

Viele denken aber auch, dass dies zu einfach gedacht ist und man es mit dem Gehalt nicht so vergleichen könnte. Aber warum ist dies zu einfach gedacht?

Hier ist die Antwort:
Einige vergleichen dies mit Äpfeln und Birnen. Aber man muss sich immer ein Stück weit anschauen, wieso die soziodemografischen Merkmale der Arbeitnehmer so sind, die man eigentlich vergleicht.

Man kann sich durchaus die Frage stellen, wie es sich anfühlt, wenn man beispielsweise ca. 15 Jahre in der Logistikbranche ist, z. B. sie machen seit über 15 Jahren bei Ihrem Arbeitgeber einen guten Job und sind durch Höhen und Tiefen mit diesem gegangen und plötzlich dann kommt ein neuer Kollege von einer Zeitarbeitsfirma und soll auf einmal das Gleiche verdienen wie Sie nach 15 Jahren. Sie, der seit 15 Jahren in der Firma arbeitet, findet dies dann auch hochgradig ungerecht und eben nicht der Leiharbeiter.

Aber warum ist dies so ungerecht? Ja wenn ein Festangestellter Kollege kommt, verdient dieser doch auch das gleiche Gehalt.

Das stimmt so nicht. In Tarifstrukturen ist es oft der Fall, dass Loyalität zum Arbeitgeber belohnt wird und das über Jahre, d. h. je länger Sie da sind, desto mehr Geld gibt es und je stärker die Leistung ist, desto mehr Geld bekommen Sie.

Also wenn jemand frisch anfängt in der Firma, ist die Leistung noch nicht da und die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber konnte er noch nicht zeigen. Deswegen ist es legitim, dass er zu Anfangs weniger Geld bekommt. Auch wenn man in einem Beruf ist, wo man keinerlei langjährige Erfahrung braucht, um besonders qualifiziert zu sein, das schließt das eine und das andere nicht aus. Die Qualifikation kommt mit der Zeit. Man kann dies beobachten, wenn z. B. Menschen lange in einem Betrieb arbeiten und einfach viel schneller sind, als die Kollegen, die frisch starten. Aus diesem Grund ist es auch denkbar, dass Leute die länger in der Firma arbeiten, auch deutlich stärker sind.

Beschäftigungsdauer:
Dass ein Leiharbeiter 3 Jahre über eine Zeitarbeitsfirma läuft, ist fragwürdig und soll nicht mehr passieren. Denn es gibt seit dem 01.04.2017 ein neues Gesetz. Übernahme nach 18 Monaten und gleicher lohn nach 9 Monaten. Allerdings gibt es Ausnahmen. Aber wieso Ausnahmen?

Zeitarbeitnehmer werden teilweise länger benötigt, weil wenn man z. B. ein Kreuzfahrtschiff nimmt, ist dies auch nicht in 18 Monaten erbaut. Deswegen werden Zeitarbeitnehmer mit Ausnahmen länger benötigt. Die Ausnahmen beziehen sich auf projektgebundene Arbeiten bzw. wenn feststellbar ist, dass in bestimmten Einsatzbranchen Anforderungen sind, die deutlich länger sind. In der IT-Branche z. B. für der Integration von größeren Softwarelösungen in ein bestehendes Softwaresystem, dies dauert länger als 2 – 3 Jahre gegebenenfalls. Aus diesem Grund sind Ausnahmen an dieser Stelle möglich.

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